Monatslieder aus dem Neuen Gotteslob
Unser Monatslied (GL 438)
Neben dem Monatslied nehmen wir uns für die Kartage zwei Liedrufe vor. Der eine, der Kehrvers zu GL 442, geht auf die alte gregorianische Melodie „Ubi caritas et amor“ zurück. Er dürfte uns vertraut sein.
Der andere, GL 287, ist neu, aber leicht zu singen und – interessant – in drei Teile gegliedert. der erste ist dem Gründonnerstag zugeordnet, der erste und der zweite dem Karfreitag, der gesamte Rauf dann dem Karsamstag.
Unser Monatslied aber gehört allgemein zur Fasten- und Passionszeit. Erinnern Sie sich noch: 1978, die Gruppe „Boney M.“ und ihr Hit „By the rivers ob Babylon?“ Der griff einen Psalm auf, den Psalm 137. Und auf denselben Psalm beziehen sich die ersten vier Strophen unseres Liedes.
Wer den biblischen Text zu Ende liest, wird fast erschrocken sein über die Aggression dort. Babel, Babylon wird gedroht: „Tochter Babel, du Zerstörerin! / Wohl dem, der dir heimzahlt, was du uns getan hast!“ heißt es. Und dann kommen noch drastischere Worte, die ich hier gar nicht wiedergeben möchte. Ja, auch das Bedürfnis nach Rache darf sich vor Gott ausdrücken. Gut, dass sich das ausdrücken darf. Vielleicht der Weg, dass Rache nicht vollzogen wird.
In Absetzung zum biblischen Psalm findet unser Monatslied jedoch einen anderen Ausweg: die 5. Strophe stellt uns Jesu Kreuz und Auferstehung vor Augen. Da wird die Spirale der Gewalt unterbrochen, die Rache, die sich immer höherschraubt.
Ob wir in den Konflikten unserer Gegenwart - auf Christus schauend - Erlösung finden? Ich wünsche es uns und unserer Welt!
Michael Janson
Unser Monatslied (GL 417)
Stimme, die Stein zerbricht…
Der Text des Liedes geht auf Anders Forstenson (1906-2006) zurück, einen text-kreativen schwedischen Pfarrer. Im aktuellen schwedischen Gesangbuch ist er mit 146 Texten vertreten. „Stimme, die Stein zerbricht…“ fand – vom evangelischen Pfarrer Jürgen Henkys (1929-2015) ins Deutsche übertragen – Eingang in unser Gesangbuch.
Selten klingen in so klaren Bildern so konkrete Lebenserfahrungen an: Härte und Finsternis, Enge und Ausweglosigkeit, Furcht und Leere. Und ebenso klar und gefüllt kommt die Antwort zum Ausdruck: „Hab keine Angst, ich bin da.“
In der dritten Strophe wird das Ich des Singenden gleichsam unbemerkt in diese Begegnung einbezogen: Christus und Christ erleben Leere und Dunkel; und der eine bietet dem anderen die eigene Erfahrung an: Du, Gott, bist hier.
Manche Bibeltexte sind mir selbst so vertraut, dass sie mir immer wieder einfallen. Beim Beten der Psalmen fallen mir immer wieder andere Verse so auf, als hätte ich sie noch nie gehört und gelesen; die liegen dann – auf einem Zettel notiert – auf meinem Tisch. Zu diesen Er-Innerungen gehört auch dieses Lied: Erfahrungen aufgreifend und glaubend beantwortend. Ein echter Schatz!
Michael Janson
Monatslied Januar 2026
GL 778
Unsere Liturgie kennt drei Tage, an denen ein feierlicher Einzug aller vorgesehen ist, aber nicht immer praktiziert wird: den Zug in die Kirche hinter der brennenden Osterkerze, die Nachahmung des Einzugs Jesu in Jerusalem am Palmsonntag, und schließlich den Zug durch die Kirche am Fest der Darstellung des Herrn. 40 Tage nach dem 1. Weihnachtstag bringen Maria und Josef ihren Erstgeborgenen in den Tempel, um ihn Gott zu weihen. „Zion öffne deine Pforte“ greift das Geschehen von damals auf und bietet tiefere Deutungen dessen. Mit diesem neuen Lichtmesslied kommt wieder einmal der Impuls daher, sich zu Beginn dieses Gottesdienstes gemeinsam auf den Weg zu machen.
Michael Janson