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In dieser Übersicht finden Sie alle Gemeinden die zur Pfarrei Hl. Theresia Neustadt gehören.

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St. Nikolaus Gimmeldingen

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Bildnachweis Kirchenfenster: Anke Sommer, Wörth

Das Wort Gottes

Welchen Stellenwert hat das Wort Gottes für unseren Glauben? Wie reagieren Sie, wenn im Kirchenblatt an einem Sonntag für Ihre Gemeinde „Wort-Gottes-Feier“ steht? - „Ach, da ist ja nur ein Wortgottesdienst!“ Und zwischen den Zeilen: „Das ist ja keine richtige Hl. Messe!“

Am 1. Weihnachtstag hören wir jedes Jahr den großen Prolog des Johannesevangeliums. Die neue Einheitsübersetzung formuliert: „Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden und ohne es wurde nichts, was geworden ist. … Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt...“ Mit „Wort“ ist dabei nicht ein daher gesagtes Wort gemeint. Es geht vielmehr um eine Person, um ein Wort mit personaler Füllung. In einer anderen Übersetzung, die ich gerne benutze, heißt es deshalb ganz konsequent: „Im Uranfang war Er, das Wort….“

In jeder Wort-Gottes-Feier, in jedem Wortgottesdienst, in jeder persönlichen Schriftlesung geht es um IHN, das Wort Gottes. So will Gott mich ansprechen und ins Nachsinnen bringen. Beim wiederholten Lesen und Hören soll mir immer wieder Neues aufgehen.

Aber ich nehme wahr: das Wort erreicht die Herzen nicht. Dort scheint nur Platz für den Empfang des Heiligen Brotes zu sein.

Zugegeben – daran ist die katholische Kirche selbst schuld, hat sie doch über Jahrhunderte hinweg den Kommunionempfang hervorgehoben. Wenn jemand den Wortgottesdienst verpasst, ist das nicht so schlimm. Hauptsache er oder sie ist zur Gabenbereitung, mindestens aber zu den Einsetzungsworten und zum Kommunionempfang da! Ist das richtig? Soll es so bleiben?

Was wäre die Eucharistie ohne das Wort Gottes, ohne die Offenbarung des Vaters in der Person des Sohnes? Das Brotbrechen ist sogar notwendig verbunden mit den Einsetzungsworten Jesu. Ist es nicht ein und derselbe Gott, der sich auf vielfache Weise offenbart. In allen Weisen ist derselbe zu finden. Wieso in der einen Weise tiefer als in einer anderen?

Während eines Urlaubs in Südfrankreich habe ich vor vielen Jahren eine interessante katholische Kirche besucht. Im Altarraum standen zwei Tische: der eine links von der Mitte, der andere rechts davon: der Tisch des Wortes und der des Brotes. Beide Tische standen gleichwertig da. Ich frage: was fehlt an Gott, wenn er sich „nur“ auf dem Altar des Wortes offenbart?

Michael Janson

 

 

Agnus Dei – Lamm Gottes

Dieser Gesang dient der Vorbereitung auf den Kommunionempfang. Er begleitet das Brotbrechen und deutet es. Es handelt sich also um einen Gesang, der in besonderer Weise durchdacht und innerlich mitvollzogen werden will, eine Meditation dessen, was vollzogen wird.

Ursprünglich wurde in der Liturgie der römischen Kirche das Brotbrechen schweigend vollzogen. Mit Sergius I. (687-701) wurde ein Syrer Papst. Dieser war aus seiner Heimat damit vertraut, das eucharistische Brot „amnos“ zu nennen, das griechische Wort für „Lamm“. Papst Sergius I. führte mit diesem Hintergrund den Text ein: „Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünde der Welt, erbarme dich unser!“

In diesen Worten kommt in jeder Eucharistiefeier Johannes der Täufer selbst zu Wort. Dem Johannesevangelium entsprechend sagt er in 1, 29 genau diese Worte. Matthias Grünewald hat diesen Hinweis auf dem Hauptbild seines Isenheimer Altars ausgemalt: der Täufer steht – mit seinem langen Zeigefinger auf den Gekreuzigten verweisend – neben dem Kreuz; er hält eine geöffnete Bibel in der Hand, der Prophet Jesaja dürfte aufgeschlagen sein, das 4. Lied vom Gottesknecht, Jes 53,7: „Wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt, und wie ein Schaf vor seinen Scherern verstummt, so tat auch er seinen Mund nicht auf“ – in der Karfreitagsliturgie hören wir dieses Lied vom Gottesknecht mit diesen Worten. Und Grünewald hat zu Füßen des Täufers ein Lamm gemalt. Es trägt ein Kreuz. Blut aus seiner Herzwunde füllt einen Kelch.

Der Gesang beim Brotbrechen verknüpft die Hingabe Jesu am Kreuz mit dem Brot, dem „amnos“. Was zeichenhaft mit dem Brot-Leib Christi geschieht, dass er gebrochen wird, das setzt die Kreuzeshingabe Jesu gegenwärtig und lässt die Mitfeiernden an der Frucht der Erlösung teilhaben.

Während des 1. Jahrtausends etwa wurde das „Agnus Dei" so lange gesungen, bis ein „richtiges“ Brot entsprechend geteilt war. Dann kamen die kleinen Hostien auf. Nur noch eine größere Hostie, die Priesterhostie, wurde gebrochen. Dies begleitend kam es zum dreifachen Gesang des „Lamm Gottes“. Als dann im Mittelalter der Friedensgruß unmittelbar vor diesem Gesang aufkam, wurde der Abschluss der 2. Wiederholung abgeändert in: „Gib uns deinen Frieden!“

Eine tief gefüllte Meditation also. Nicht immer müssen all diese Gedanken durchdacht werden. Aus dem Leben heraus oder auch von den jeweiligen Texten der Messe her, vielleicht auch von anderen Liedern, die gesungen wurden, ergibt sich ein eigener Akzent, der beim nächsten Mitfeiern auch anders sein kann. Eine Meditation, die in die Anbetung, ins Hinknien führt. Der Empfangende macht sich klein vor diesem großen Geheimnis des Glaubens.

Pfr. Michael Janson

 

 

Bereitung der Gaben

Mit den Fürbitten ist der Wortgottesdienst zu Ende. Jetzt folgt die Mahlfeier, der zweite große Teil der Eucharistiefeier.
Wenn alltäglich gegessen wird, sind Vorbereitungen in der Küche erforderlich, dann wird gekocht. Und schließlich wird der Tisch gedeckt.
Bei der Eucharistie ist das Kochen nicht notwendig. Aber auch hier wird der Tisch bereitet, die Gefäße werden gebracht. Und dann das Essen, die eucharistischen Gaben: Brot und Wein.
Manchmal wird das Ganze mit einem Lied-Vers begleitet, den das alte Gotteslob 1975 eingeführt hat und den unsere Gemeinden längst gut aufgenommen haben: „Herr, wir bringen in Brot und Wein unsere Welt zu dir!
Du schenkst uns deine Gegenwart im österlichen Mahl“.
Ein Gesang, der das, was getan wird, gut beschreibt.
Der Priester erhebt die Brotschale und betet (häufig still): „Gepriesen bist du, Herr unser Gott, Schöpfer der Welt! Du schenkst uns das Brot, die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit. Wir bringen dieses Brot vor dein Angesicht, damit es uns zum Brot des Lebens werde.“
Auf Wein und Kelch bezogen wird dies dann wiederholt.

Gaben werden herbeigebracht und in ihnen unsere Welt – die kleine, je eigene, aber auch die große – alles hängt zusammen.
Über alldem wird die Bitte ausgesprochen, dass es verwandelt werde – nicht nur Brot und Wein, sondern auch der Einzelne, der hinter diesen Gaben steht, den diese ausdrücken, und auch seine Welt, sowie die Welt aller.
Und über alldem wird die Bitte nach Wandlung, nach Verwandlung und Veränderung ausgesprochen.

In St. Josef und St. Bernhard kommt dies besonders anschaulich zum Ausdruck. Kommunionhelfer und Messdiener bringen die Hostienschale und einen Krug mit Wein aus der Gemeinde zum Altar. Zuvor, beim Betreten der Kirche, hatten die Gottesdienstbesucher „eingelegt“: dabei haben sie sich mit diesem Stückchen Brot verbunden, sich hineingegeben. Sie selbst kommen also in diesem Stückchen Brot auf den Altar, ihre kleine und die ganz große Welt. Ein schlichtes, sachliches Tun, das aber weit mehr ausdrückt, wenn es bewusst erlebt und gefeiert wird.

Das Brot und Wein werden in der vergegenwärtigenden Erinnerung an das letzte Abendmahl zum Leib und Blut Christi. Und auch die Gemeinschaft derer, die diese Feier mitvollzeihen, wird mehr und mehr zum Leib Christi. Eigentlich sind sie es schon durch die Taufe. Und sie werden es immer mehr durch die Teilnahme an dieser Feier. Der Heilige Ambrosius, im 4. Jahrhundert Bischof von Mailand, hat dies im Hinblick auf den Empfang der Kommunion tief ausgedrückt:
„Empfangt was ihr seid: Leib Christi!
Und werdet, was ihr empfangt: Leib Christi!“
Da ist die Wandlung angesprochen: die der Gaben und die der das Mahl feiernden Menschen.
Diese Wandlung beginnt mit einer bewussten Bereitung.

Michael Janson

 

 

Setzen, stellen, knien - was ist wann richtig? Zur Körpersprache der Heiligen Messe

„Wer sich in der Kunst die Sprache des Körpers zu deuten auskennt weiß ….“ Immer wieder klingt dieser Satz des Kinderbuchautors Janosch in seinem Büchlein „Schimanzki. Die Kraft der inneren Maus“ an. Wie alle guten Kinderbücher spricht es auch Erwachsene an. Der Mensch spricht auch mit seinem Körper, mit dessen Haltungen, mit Gesten. Das sagt oft mehr als Wortsprache.

Das wirkt sich auch auf die Feier der Liturgie aus. „Zur Wandlung kniet man sich!“ haben wir gelernt. „Und das Evangelium wird stehend gehört!“ Dabei ist es eher oberflächlich und schwach, diese Regeln nur deshalb zu befolgen, weil wir es so gelernt haben. Wertvoller ist es, sie gleichsam selbst zu finden. Und es sollte auch durchaus möglich sein, die Körperhaltung einzunehmen, die einem sprechend erscheint, selbst wenn sie sich absetzt von der Allgemeinheit. Freilich wird damit das gemeinsame Feiern und sich darin Bewegen getrübt. Wenn sich alle auch gemeinsam bewegen, das verbindet. Und dennoch sollte jede und jeder das tun können, was aus dem Inneren spricht.

Ich möchte dazu einladen, die verschiedenen Körperhaltungen vertieft zu entdecken. Zu sitzen ist bequem. Wir brauchen kaum Kraft und können ganz Ohr sein. Das ist die der Predigt und der inneren Betrachtung nach dem Empfang der Heiligen Kommunion angemessene Haltung. Auch die Lesung wird so gehört. Bei der Gabenbereitung bereitet sich der Mitfeiernde selbst.

Das Stehen drückt Ehrfurcht aus. Wenn jemand auf einen sitzenden Menschen zugeht, stellt dieser sich zur Begrüßung - nicht nur, weil es uns so eingetrichtert wurde. In der Messe stellen wir uns zum Einzug des Priesters und der Messdiener. Die darin sich ausdrückende Ehrfurcht gebührt Christus selbst, der Priester verkörpert ihn. Deshalb wird auch das Kyrie im Stehen gebetet, auch das Gloria. Selbstverständlich hört man das Evangelium im Stehen. Und auch zum großen Dankgebet im Anschluss an die Gabenbereitung, zur Präfation, stellt sich die Gemeinde. Auch das Tagesgebet zu Beginn und das Dankgebet gegen Ende der Messe betet die Gemeinde stehend mit. Schließlich wird auch der Segen am Ende stehend empfangen, führt er doch direkt zum Ausgesandt-Werden.

Im Knien drückt sich noch tiefere Ehrfurcht aus. Der Kniende macht sich klein vor einem anderen. Es ist die Haltung der Demut, des Dien-muts. Diese Haltung ist dem Hochgebet mit den Einsetzungsworten angemessen und auch der unmittelbaren Vorbereitung auf den Empfang des Heiligen Brotes, ebenso der Betrachtung nach dem Kommuniongang. Der eine oder die andere findet das Knien auch dem Gesegnet-Werden angemessen. Und das darf auch so sein.

Jetzt bleibt das Gehen noch zu bedenken. Das betrifft den liturgischen Dienst, aber auch jeden, der die Messe mitfeiert. In seinem Büchlein „Von heiligen Zeichen“ spricht Romano Guardini – einer der großen Theologen der liturgischen Erneuerung vor dem 2. Vatikanischen Konzil –  vom Schreiten. Auch darin spricht der Körper: Ich bin in der Ruhe und komme in sie hinein. Ich schraube mich von der Hektik alltäglichen Rennens herunter und komme in einem bedächtigen Schritt an. Das ist sicher kein Schleichen. Ich persönlich brauche das ruhige Gehen, um gut in der Liturgie anzukommen. Und ich hoffe, dass sich das auch überträgt. Und sollte jemand dabei unruhig werden: „Wer sich in der Kunst die Sprache des Körpers zu deuten auskennt weiß ….“

Michael Janson

 

 

Kyrie eleison! Die Gemeinde lässt sich zur Begegnung mit dem Auferstandenen führen.

„Es ist der Herr!“ (Joh 21,7) Dies äußert der Jünger, den Jesus liebte, Petrus gegenüber. Ohne ihn erkannt zu haben waren sie ihm bei der Rückkehr von erfolglosem Fischfang begegnet. Er schickte sie noch einmal hinaus – nun hatten sie Netze voller Fische. Da stellt Johannes fest: „Es ist der Herr!“

Damit ist der Teil der Messe gut beschrieben, den wir in diesem Monat hervorheben wollen, um tiefer in die Feier der Liturgie einzudringen: Das Kyrie.

Die Gemeinde ist versammelt, das Eingangslied verklungen, der Priester hat begonnen: „Im Namen des Vaters….“ - „Der Herr sei mit Euch!“ Damit sind wir schon an der richtigen Stelle, vor dem Richtigen, vor unserem Herrn. Dieser ist unser Gegenüber, der Auferstandene, der Lebendige, der Gottessohn.

Nach der Begrüßung der Gemeinde und dem Schuldbekenntnis wird dieser Herr noch einmal ausführlicher begrüßt: „Kyrie eleison / Christe eleison / Kyrie eleison!“ – „Herr erbarme dich / Christus erbarme dich / Herr erbarme dich!“ Vor allem die deutsche Fassung dieses Rufs ist irreführend. Klingt sie doch wie eine eindringliche Bitte: Herr, Christus, erbarme dich doch! Oft werden diese Rufe deshalb auch als Fortsetzung des Schuldbekenntnisses und der Vergebungsbitte wahrgenommen. Aber dieser Ruf drückt eigentlich keine Bitte aus, sondern vielmehr Lob und Preisung, er ist eine Feststellung, eine „confessio“, ein Bekenntnis, eine „Christus-Ikone“.

Die Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil hat das noch einmal unterstrichen, indem sie das Kyrie zu einer sogenannten „Kyrie-Litanei“ entfaltet. Eine solche findet sich z.B. unter der Nummer 164 im neuen Gotteslob:

„Der in seinem Wort uns hält, bis zum Ende dieser Welt: Christus, Herr, erbarme dich. / Der unsre Mühsal kennt, der uns beim Namen nennt: Christus, erbarme dich. / Der uns aufstrahlt im Gericht, der uns heimruft in sein Licht: Christus, Herr, erbarme dich.“ Da sind die Pinselstriche eines Christus-Bildes deutlich zu sehen.

Dieser Beginn der Messe kommt oft recht schnell, fast überraschend. Man ist noch nicht richtig präsent, und schon ist dieser Beginn vorbei. Aber eigentlich hat er es richtig ins sich: er führt die versammelte Gemeinde hin zur Begegnung mit dem Herrn, dem Kyrios. Diesen stellt er vor, er beschreibt ihn. Und dann können alle, die da sind, sagen: „Er ist der Herr! So ist der Herr!“ Ihm dürfen wir jetzt begegnen.

Michael Janson

 

 

Präfation und Hochgebet – der Kern der Messfeier

In diesem Monat schauen wir auf einen der beiden großen Teile der Messe, auf die Eucharistiefeier.

Im Anschluss an das Dankgebet der Präfation und das Heilig-Lied wechselt die Gemeinde die Haltung, indem sich meist die Gottesdienstbesucher knien. Das drückt tiefe Ehrfurcht aus, die nur noch einmal - vor dem Empfang der Eucharistie - eingenommen wird. Eines aber sie auch bei dieser Gelegenheit deutlich betont: Ich kann auch in einer anderen Körperhaltung Ehrfurcht ausdrücken. Für den Abschnitt, der mit einem großen Lobpreis vor dem Vater Unser endet, hat sich der Begriff „Hochgebet“ gebildet, manchmal wird auch noch das Wort „Kanon“ dafür benutzt. In der Mitte dieses Textes steht das Herabrufen des Heiligen Geistes über Brot und Wein, sowie vor allem die Worte, mit denen Jesus im Abendmahlsaal nach dem Zeugnis des Neuen Testaments die Eucharistie eingesetzt hat.

Den Älteren unter uns ist der sogenannte „Römische Kanon“ noch im Ohr. Seit der 2. Hälfte des 4. Jahrhunderts hatte dieser sich gebildet. Vom Konzil von Trient an, mit dem die Katholiken auf die Reformation antworteten und sich neu sortierten, gab es nur dieses eine Hochgebet  -  bis zum 2. Vatikanischen Konzil (1962-1965) und der damit einhergehenden Liturgiereform. Dort besann man sich eines noch älteren Textes, der um 225 entstand und vom Hl. Hippolyt überliefert ist. (Vgl. Gotteslob, 588, 2.) Dieser sah in seiner Aufzählung übrigens nur ein Beispiel, wie ein solches Hochgebet lauten könnte, und ein Zeugnis dafür, welche Elemente es enthalten sollte. Der Text sollte von dem, der der Feier vorsteht, frei gestaltet werden. Darin sollten aber die wesentlichen Elemente enthalten sein.

Wenn ich heute im Gottesdienst den römischen Kanon verwende, kommen bei den älteren Teilnehmern Erinnerungen hoch: „Ja, so war das früher, jetzt erinnere ich mich!“. Und die jüngeren reagieren meist mit Befremden: „Diesen Text kann man doch heute kaum noch verstehen!“

Unser Messbuch enthält neben diesen beiden Hochgebeten noch zwei weitere, sie entfalten genau diese beiden mit anderen Worten. Daneben gibt es das Hochgebet „zur Versöhnung“. Aus vier zunächst nur für die Schweiz zugelassenen Hochgebeten haben sich jetzt ganz offiziell die vier „Hochgebete für Messen mit besonderen Anliegen“ entwickelt. Und schließlich gibt es drei Hochgebete für die Messfeiern mit Kindern.

Vielfach sind auch neue Hochgebete entstanden. Da wurde manchmal experimentiert. Meist wird betont: diese Texte dienen lediglich der persönlichen Betrachtung. Manchmal wird aber auch gefragt, warum man diese nicht auch benutzen darf, wenn sie denn wirklich alle für das Hochgebet vorgesehenen Elemente enthalten? Eine Position sagt: „Wir dürfen gerade in diesem Kern der Messe nur das verwenden, was von der offiziellen Kirche her erlaubt ist!“ Ich habe schon die Erfahrung gemacht, dass durch einen neuen Text auch interessante Impulse zum Verständnis der anerkannten Hochgebete ausgehen können.

Eine Rückmeldung heißt oft: das klingt alles immer gleich. Abgesehen davon, dass das bei 8 Hochgebeten und den 3 Hochgebeten für die Kindergottesdienste nicht ganz zutrifft – das immer Gleiche hat auch etwas Gutes. In unserem Leben ist ja ständig Vieles im Fluss. Ich muss mich immer wieder auf Neues einstellen und einlassen. Da ist es gut, an manchen Stellen auch sehr vertraute Worte zu hören. Es wird so sein, dass mich immer wieder einmal andere Gedanken erreichen und ansprechen. Verschiedene Priester betonen die Gebete unterschiedlich. Auch damit kommt Vielfalt zum Schwingen, selbst wenn die Worte gleich sind. Es hat also auch etwas Entlastendes, wenn man nicht immer jedes einzelne Wort in voller Konzentration mithören und beherzigen muss. Aber genau das fordert auch ein Hören, das dran bleibt, das hinter bekannten Worten die Aussagen erkennt.

Vielleicht gehen Sie in den nächsten Wochen noch bewusster und konzentrierter auf diesen Teil der Messfeier ein.

Ihr Pfarrer Michael Janson

 

Stilisierte Dialoge – eigenartige Muster!

„Die Sprache ist die Quelle aller Missverständnisse“ sagt der Kleine Prinz von Antoine de Saint-Exupéry. Das gilt erst recht für die Sprache der Liturgie mit ihren vielfach festen Sprachformen. Noch mehr als frei formulierte Sätze sind feste Formen der Gefahr des Nichtverstehens und damit des Missverständnisses ausgesetzt.

Wäre es nicht einfacher, das anders zu machen? Abgesehen davon, dass auch das frei Formulierte nicht automatisch verstanden wird – ein gemeinsames Feiern verlangt nach festen Sprachformen. Will man gemeinsam feiern, dann braucht es allen bekannte Sätze. Da wird bewusst, dass man zusammen gehört und ein ist. Und will man über Generationen hinweg an einem ganz bestimmten Inhalt festhalten, dann bleibt einem nichts anderes übrig, als dieselben Worte zu nutzen. Und dann geht es immer wieder darum, dem Geläufigen inhaltliche Tiefe zu entlocken.

Hier soll es jetzt in erster Linie um Sprachformen gehen, die im Dialog vollzogen werden, also um Sätze, die der Priester spricht, auf die die Gemeinde antwortet. Da ist vor allem die eine Aussage zu nennen: „Der HERR sei mit euch!“ – „Und mit deinem Geiste!“. Damit wird die Messe eröffnet. Dieser Gruß kann sich auch ausdehnen und die Grußformel eines Paulusbriefs aufgreifen. Die Antwort der Gemeinde ist aber immer die gleiche. Darin wird das Zusammensein der Gemeinde aufgebrochen auf den HERRN hin und auf Gott. Der HERR sei jetzt mit jeder und jedem Einzelnen in dieser Feier. Und auch mit dem, der ihr gerade vorsteht. Im Miteinander, im Hören, Beten und Singen ist auch der HERR, nicht nur die sichtbar Mitfeiernden. Gruß und Antwort unterscheiden sich zwar, sie drücken aber dieselbe Wirklichkeit aus.

Dieser Dialog wird erweitert, wenn die Präfation beginnt, ein besonderes Dankgebet vor dem sogenannten Hochgebet mit den Einsetzungsworten. Dort heißt es: „Der HERR sei mit euch!“ – „Und mit deinem Geiste!“ – „Erhebt die Herzen!“ – „Wir haben sie beim HERRN!“ – „Lasst uns danken dem HERRN, unserm Gott!“ – „Das ist würdig und recht!“ – „In Wahrheit ist es würdig und recht….“ Um ein noch bewussteres, engagiertes, ganz mit dem Herzen Da-Sein geht es an dieser Stelle im Hinblick auf das, was dann folgt.

Eine ganz eigene Form des Dialogs bildet die Einleitung zu den sogenannten Amtsgebeten, dem Tages-, Gaben- und Dankgebet. Der Einladung des Priesters „Lasst uns beten“ antwortet die Gemeinde mit einer Stille. In sie hinein spricht der Priester dann das Gebet. In der Stille öffnet die und der Einzelne das Herz, um so selbst das Gehörte vor Gott zu tragen.

Dann gibt es nach den Einsetzungsworten den folgenden Gedankengang: „Geheimnis des Glaubens:“ - „Deinen Tod, o HERR, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.“ Was sich mit den Einsetzungsworten verbindet - die jeweils neue Feier des überlieferten Herrenmahls - wird so hineingespannt in die Zeit. Ausgehend von der lebendigen Erinnerung an Tod und Auferstehung des HERRN schauen wir voraus auf seine Wiederkunft an deren Ende. Unsere Zeit ist gefüllt mit seiner bleibenden Gegenwart. Das wird in jeder Eucharistiefeier ausdrücklich.

Vor dem Empfang der Hl. Kommunion wird es noch einmal besonders dicht. Der Priester zitiert gleichsam Johannes den Täufer: „Seht das Lamm Gottes!“ (vgl. Joh 1, 29) Und die Gemeinde antwortet mit einer leicht veränderten Aussage des römischen Hauptmanns: „Herr ich bin es nicht wert, dass du unter mein Dach einkehrst; aber spricht nur ein Wort, dann wird mein Diener gesund!“ (= Zitat aus Mt 8,8; in der Liturgie etwas anders formuliert). Ein Nichtjude, ein Ungläubiger also vertraut darauf, dass der HERR seinen Diener auch aus der Entfernung heraus heilt. Welche Zuversicht für uns, die wir durch eine lange Zeit von Jesus getrennt sind. Aber nein: er ist ja auch hier und jetzt gegenwärtig. Das wird ja gerade gefeiert.

Die häufigste Antwort in diesen liturgischen Dialogen ist jedoch ohne Frage das „Amen!“ der Gemeinde: „Ja, so sei es!“ Und das möge wirklich nicht einfach so daher gesagt sein. Es soll vielmehr ausdrücken, dass das Gehörte angekommen ist im Herzen, dass es voll und ganz bestätigt wird. Die Mitfeiernden sprechen ihr „Ja und Amen!“.

Übrigens: wenn Sie ein Fußballspiel besuchen oder es im Fernsehen verfolgen, erleben Sie etwas Ähnliches. Da haben sich Sprachmuster gebildet, die allen bekannt sind. Der Stadionsprecher nennt z.B. Rückennummer und Vornamen eines Torschützen und die ganze Kurve donnert den Nachnamen hinterher. Die Fans wissen, wer Tore schießt. Die Fans sind da, sie erleben sich selbst in solchen Antworten und natürlich auch in bekannten Gesängen und Rufen.

Und noch etwas: es ist eine hilfreiche Schule für einen selbst, solche Sprachformen der Messe Kindern nahezubringen, sie mit ihnen zu lernen und sie zu erläutern. Das führt einen selbst wieder in die Tiefe dessen, was da gesprochen wird. Und damit sind wir wieder dicht bei Antoine de Saint-Exupéry und seinem kleinen Prinzen. „Die Sprache….“

Michael Janson

 

 

 

Die Emmauserzählung – Ostern leuchtet in den Jahreskreis

Die ältesten sprachlichen Zeugnisse von der Auferstehung Jesu sind denkbar kurz und schlicht. Ein solches findet sich im 1. Korintherbrief, Kapitel 15. Paulus greift eine Glaubensformel auf, die sich schon gebildet hatte, also noch näher ans Leben Jesu heranreicht, sein Brief entstand ca. 55 n.Chr. In 1 Kor 15, 3-5 heißt es:

„Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe:
Christus ist für unsere Sünden gestorben, / gemäß der Schrift, / und ist begraben worden.
Er ist am dritten Tag auferweckt worden, / gemäß der Schrift / und erschien dem Kephas, dann den Zwölf.“

In solchen Worten drückt sich ursprünglich der Glaube an die Auferstehung Jesu aus: er ist auferweckt worden und dem und dem erschienen. Mehr wird nicht gesagt. Gott ist der Handelnde, er erweckt seinen Sohn. Und dieser erscheint konkreten Personen, er lässt sich erkennen. Das Markusevangelium ist noch ganz an dieser knappen Formulierung orientiert: ein junger Mann in leuchtend weißem Gewand verkündet im offenen und leeren Grab: „Er ist auferweckt worden er ist nicht hier“ (Ml 16,6).
Die späteren Evangelien aber beginnen dann damit, die Wirklichkeit der Auferstehung hervorzuheben, indem sie anschaulich konkrete Begegnungen mit dem Auferstandenen wiedergeben. Über 50 Jahre kamen die Christen ohne sie aus. Sie haben jedoch eine andere Zielrichtung: Sie führen denen, die Jesus selbst nicht mehr kannten, vor Augen, wie auch sie dem Auferstandenen begegnen können und verknüpfen sie mit dem Gemeindeleben.

Ein ganz markantes, aber auch sehr schönes Beispiel dafür ist die Geschichte von den beiden Emmausjüngern. Sie verlassen Jerusalem gehen wieder nach Hause. All die Hoffnungen, die Jesus in ihnen geweckt hatte, mussten sie mit ihm begraben. Unterwegs begegnen sie einem und kommen mit ihm ins Gespräch. Dass es der Auferstandene ist, das erkennen sie nicht, ihre Augen sind gehalten. Und der öffnet ihnen die Augen dafür, dass der am Kreuz verstorbene Jesus dennoch der Messias ist. Ihr Messias-Bild war ein anderes: für sie musste es einer sein, der einen strahlenden Sieg davon trägt und dann über alle und alles herrscht. Der Fremde bringt Schriftworte ins Gespräch, aus denen das Bild eines leidenden und sterbenden Messias hervorgeht. So ins Gespräch vertieft kommen sie in Emmaus an. Sie bitten den Fremden, bei ihnen zu bleiben, da es schon spät ist. Und da – der Fremde bricht ihnen das Brot – gehen ihnen die Augen auf, sie erkennen ihn. Und dann sehen sie ihn nicht mehr. Schnell kehren sie nach Jerusalem zurück, um von ihrer Begegnung zu berichten.

Lukas, der als einziger der 4 Evangelisten diese Erzählung überliefert, deutet damit das Zusammenkommen seiner Gemeinden. Wortgottesdienst und Mahlfeier sind zu erkennen, die zwei Hauptteile der Messe, die wir heute noch in der Messe haben. So sind die Gemeinden zu allen Zeiten mit dem Auferstandenen unterwegs. Er begleitet ihren Weg und öffnet ihnen die Augen für Gott und die Welt. Er ist der, der zum Mahl einlädt, er bricht uns das Brot, er schenkt sich uns in diesem Brot.

Manche fragen: Ist das denn nicht wirklich so geschehen? Kann es sein, dass der Evangelist Lukas diese Erzählung erfunden her? Lukas ist ein tief gläubender Zeuge Jesu. Und er ist ein kreativer Erzähler. Niemand hat das Geschehen der Auferstehung Jesu erlebt. Aber er ist auferweckt worden und erschienen, das steht fest! Und diese Wahrheit des Glaubens verknüpft er mit der Eucharistiefeier, welche die Gemeinden wöchentlich feiern. Aus seinem Glauben ist dieser Zusammenhang entsprungen. So konnten die Gemeinden erkennen: Jede sonntägliche Feier verbindet mit der Wirklichkeit der Auferstehung und dem Auferstandenen selbst. Jede Schriftlesung legt sich in österlichem Licht aus – von Christus her. Und im eucharistischen Brot empfängt der Gläubige das Leben des Auferstandenen, mit dem er schon seit seiner Taufe verbunden ist.

In dieser langen Erfahrungskette stehen und glauben wir heute. Jede Eucharistiefeier ist gleichsam wie ein Weg nach Emmaus. Da sind gerade auch jene herzlich willkommen, die noch Fragen und Zweifel haben, die sich auf ihren Glauben noch keinen Reim machen können, aber eine Sehnsucht danach verspüren und auf dem Weg sind. Und wer den HERRN einlädt, bei ihm einzukehren, der darf darauf hoffen, dass auch ihm oder ihr die Augen aufgehen und sie erkennen. Und im Rückblick stellt sich immer wieder die Frage: Brannte mir nicht schon längst das Herz….?

Michael Janson

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