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Gemeinden

In dieser Übersicht finden Sie alle Gemeinden die zur Pfarrei Hl. Theresia Neustadt gehören.

St. Josef

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St. Johannes Königsbach

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St. Johannes Mussbach

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St. Marien

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St. Nikolaus Gimmeldingen

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Bildnachweis Kirchenfenster: Anke Sommer, Wörth

Gottesdienst und persönliches Gebet – Was unterscheidet das eine vom anderen? Wie geht das zusammen?

Wenn ich in den Gottesdienst gehe, geht die Liturgie ihren Gang. Sie hat eigentlich eine klare Struktur. Diese hat sich schon bald in der Geschichte des Christentums ergeben und sich nach und nach verfestigt. Es gibt gleichbleibende Elemente (z.B. das Gloria, das Glaubensbekenntnis), solche, die ein paar Varianten kennen (z.B. insgesamt 9 verschiedene Hochgebete und noch 3 für die Messfeier mit Kindern), solche, die dem jeweiligen Sonntag im Jahreskreis zugeordnet sind (die sogenannten Amtsgebete), sowie die Lesungstexte, die sich jeweils alle 3 Jahre wiederholen. Und dann sind da noch freie Elemente: die Begrüßung und vor allem die Predigt, die sogenannte Homilie.

Ich habe das bewusst einmal so schematisch dargestellt. Denn wenn man sich dem nähert, erscheint es fast verständlich, dass man nicht den ganzen Gottesdienst über voll konzentriert bei der Sache sein kann. Da taucht irgendwann ein Gedanke auf, der mir neu ist, mich anspricht und anregt. Dem gehe ich nach. Und dann bin ich auf einmal an einem ganz anderen inneren Punkt angelangt. Manche meinen dann, sie wären nicht andächtig genug und ärgern sich über sich selbst. Muss ich nicht alles genau mitverfolgen? Ist das nicht unandächtig, so eigenen Gedanken nachzugehen?

Die Liturgie ermöglicht das eigentlich durch ihre Struktur. Sie selbst regt gleichsam dazu an, geht doch die Provokation zu diesem Gedankenspaziergang von ihr aus. Die Verkündigung der Kirche berührt mein Leben, meinen Alltag. Das ist volle Absicht. Und wenn ich mit der Liturgie und ihrem Ablauf einigermaßen vertraut bin, finde ich immer wieder in den Gottesdienst zurück. Bei einem Theaterstück ist das anders. Da würde ich den Faden verlieren und nicht mehr mitkommen.

Mit dem „persönlichen Gebet“ ist aber noch einmal eine andere Ebene angesprochen. Darauf zielt die Liturgie auch ab, aber sie ist nicht nur persönliches Gebet. Dieses persönliche Gebet muss nicht unbedingt viele Worte nutzen. Es kann sich auch mit gedachten Worten füllen, ja sogar ohne Worte auskommen. Im persönlichen Gebet sehe ich mich vor Gott. Ich trete mit ihm in den Dialog. Da geschieht Begegnung. Und ich spüre diese Beziehung. Die Patronin unserer Pfarrei, die Hl. Teresa von Ávila, hat dafür den Begriff des „inneren Betens“ geprägt. Dorthin will sie führen, dass ein Mensch innen betet, dass sich dabei das Sein vor Gott realisiert und spüren lässt, dass wirkliche Begegnung geschieht.

Früher war die Zeit nach dem Empfang der Hl. Kommunion in der Eucharistiefeier ein solcher Moment des persönlichen Gebets. An seinem Platz angekommen hat man sich gekniet und mit den Händen sein Gesicht bedeckt. Nichts sollte einem ablenken. Aber diese Geste allein garantiert das nicht. Ich muss in mir angekommen sein, dann kann die Zwiesprache mit Gott beginnen. Und genau das kann sich während der gesamten Liturgie ereignen.

Die Erfahrung zeigt: ich schaffe es nicht, während des ganzen Gottesdienstes immer ganz bei der Sache zu sein. Ebenso wenig gelingt es, während der Liturgie permanent im persönlichen Gebet zu verharren. Gerade deshalb braucht es während der Liturgie immer wieder auch Stille. Und wenn sie nun mal gerade jetzt nicht dran ist, dann nehme ich mir die Zeit zum persönlichen Gebet und lasse die Liturgie laufen. Und trotzdem bin ich andächtig dabei. Vielleicht gerade deshalb.

Michael Janson

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