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Gemeinden

In dieser Übersicht finden Sie alle Gemeinden die zur Pfarrei Hl. Theresia Neustadt gehören.

St. Josef

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St. Johannes Königsbach

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St. Johannes Mussbach

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St. Marien

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St. Nikolaus Gimmeldingen

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Bildnachweis Kirchenfenster: Anke Sommer, Wörth

Ministerinnen und Minister am Altar

Als ich vor über 30 Jahren an meine zweite Kaplanstelle nach Schifferstadt, St. Jakobus kam, gab es dort über 100 Messdienerinnen und Messdiener. Ich war eben geneigt, von dieser Zeit mehr zu erzählen – habe die Zeilen aber wieder gelöscht. Diese Zeit ist vergangen, auch dort.

Nur eines möchte ich erzählen: damals gab es eine eigene Zeitung, die Mini-Post. Ein paar Gedanken zum Weihrauch habe ich dafür mal verfasst. Über meinen 2-seitigen Text setzte die Redaktion in dicken Buchstaben die Bemerkung: MICHAELS TRÄUME. Das war frech und schön zugleich.

Bei jeder Messdienerprobe muss ich an diese beiden Worte denken: MICHAELS TRÄUME. Ja, ich habe solche Träume noch immer, auch wenn sie sich verändert haben: eine bunte Schar von Kindern und Jugendlichen; ruhige und solche, denen stillzusitzen schwer fällt; Buben und Mädels; Quatschmacher und eher ängstlich stille Typen; solche, denen dieser Dienst schon in die Wiege gelegt ist und andere, für die alles total neu ist.

Wieso gibt es sie überhaupt?

Es sollte im Altarraum nicht einsam zugehen. Natürlich wäre die Messe auch gültig, vielleicht sogar würdig, wenn der Priester allein zelebriert. Aber das Auge isst mit. Ohren und Nase wollen auch angesprochen werden. Wer von Gemeinschaft redet, sollte sie auch zeigen. Schließlich geht es in der Liturgie nicht um den Herrn Pfarrer, sondern um einen ganz anderen Herrn. Es soll sich zeigen, dass der einzieht – unsichtbar aber wirklich. Deshalb Fahnen und Leuchter, deshalb Weihrauch und Kreuz, deshalb eine ästhetische Choreographie. Fast möchte ich sagen: Weil die „Hauptrolle“ unsichtbar ist, muss Sichtbares von ihm erzählen und alle Sinne ansprechen. Ja, in jedem Sonntagsgottesdienst und vor allem an den großen Festen erinnere ich mich an MICHAELS TRÄUME, dass jeder seinen Weg kennt und geht, ruhig und klar, locker und konzentriert zugleich, eine Augenweide. Und das alles so, dass zu spüren ist: da ist eine gemeinsame Wellenlänge, Verständnis und Achtsamkeit.

Wir merken in den letzten Jahren, dass es übersichtlicher wird bei Messdienerinnen und Messdienern. Was wir anderswo spüren, das zeigt sich eben auch da. Die Zeit ist knapp. Der Druck, was da noch hineingepackt werden muss, wird immer größer. Schon früh und auf vielen Ebenen werden die Weichen für’s Leben gestellt: Schule, jetzt oft ganztags, mit all den anderen Entwicklungen bis hin zu AGs; in der Freizeit Sport – oft auch über’s Wochenende, dann ein Instrument, oder auch zwei, und der PC mit all seinen Möglichkeiten, unzählige Kontakte per Smartphone… Vieles davon spielt auch bei den Erwachsenen, den Eltern eine Rolle. Kein Wunder, dass familiäres Leben immer dichter wird. Gemeinsame Freizeit wird immer geringer. Und dann muss man ja auch einfach mal nichts tun, mal chillen… Der Sonntag wird vielfach für anderes gebraucht.

Ich möchte meine Träume dennoch nicht aufgeben und hoffe, dass es auch künftig Familien gibt, die ihre Kinder zum Dienen motivieren und vor allem: die sie auch zur Messe begleiten. Unsere Pfarrei und ihre Liturgie kann so einen Erfahrungsraum eröffnen, in dem Kinder über das konkrete Tun bei der Liturgie in den Glauben hineingeführt werden. Da geht Erstkommunionkatechese weiter und könnte selbst über die Firmkatechese hinausführen. Dabei werden Kinder und Jugendliche zur Mitgestaltung in Kirche über das Liturgische hinaus eingeladen: beim Sternsingen gehen sie für Kinder auf die Straße – und sie wissen, für wen und warum sie gehen. Sie nehmen an den Aktivitäten der Pfarrei teil – Kleine gestalten Großes mit. Vielleicht klappt es ja auch mal mit der Teilnahme an einer Romwallfahrt, die alle paar Jahre stattfindet. Möglichkeiten gibt es viele.

Jetzt müssen wir erst mal die kritische Phase überstehen, die durch die Corona-Pandemie entstanden ist und uns noch immer prägt. Wer von den jungen (und älteren) Menschen wird die Kurve kriegen und Sonntags wieder zur Messe kommen?

Michael Janson

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