Zur Landkarte Bistum

Informationen

Gemeinden

In dieser Übersicht finden Sie alle Gemeinden die zur Pfarrei Hl. Theresia Neustadt gehören.

St. Josef

mehr Infos


St. Johannes Königsbach

mehr Infos


St. Johannes Mussbach

mehr Infos


St. Marien

mehr Infos


St. Nikolaus Gimmeldingen

mehr Infos

Bildnachweis Kirchenfenster: Anke Sommer, Wörth

Österliche Bußzeit - Fastenzeit

Dass große Feste entsprechend vorbereitet werden wollen, kennen wir aus dem Alltag. Im Hinblick auf unsere beiden Hauptfeste geschieht dies auch dort, wo eine Familie keinen Bezug zum Glauben hat: Weihnachten und Ostern werden „gefeiert“, ohne dass Gott ausdrücklich vorkommt.

Für den glaubenden Menschen haben diese Feste jedoch ganz andere Tiefen. Und von daher auch die Vorbereitung darauf. Da geht es nicht nur um das Festessen in familiärer Harmonie, bei dem alle im Feiertagskleid an einem schön gedeckten Tisch Platz nehmen. Aus dem Glauben heraus haben allein schon Geschenke, der Osterhase und das Ostereiersuchen einen tieferen Sinn. Es geht aber um mehr.

Auf Ostern hin haben wir ganze 40 Tage der Vorbereitung. Früher gab es eine solch lange Zeit auch vor Weihnachten, da war der Advent länger. In beiden Zeiten boten die Tage davor Anlass zu ausgelassenem Feiern: Die Faschingszeit ist geblieben. Eine Spure der 40 Tage auf Weihnachten hin liegt im 11.11., da deutet sich die Fastnacht schon an, die Rathäuser werden gestürmt. Das hängt an den 40 Tagen vor Weihnachten. Wie sonst sollte es zum Rathaussturm am 11.11. kommen? Ach ja, die verrückte Zahl „11“, das kommt dazu!

Warum gerade 40 Tage zur Vorbereitung? Diese Zahl hat biblische Wurzeln. 40 Tage ist Mose auf dem Berg Sinai. Aus seiner besonderen Nähe zu Gott empfängt er die 10 Gebote. 40 Jahre ist das Volk in der Wüste unterwegs und lernt dabei, mit der Nähe und dem Fernbleiben Gottes umzugehen. 40 Tage wandert Elia durch die Wüste bis zum Gottesberg Horeb (1 Kön 19), nachdem er zuvor in seinem Einsatz für Gott gescheitert schien. Schließlich treibt der Geist Jesus für 40 Tage in die Wüste, bevor er öffentlich zu handeln und zu reden beginnt. Immer wieder verbindet die Bibel die Erfahrung Gottes mit der Zahl 40.

Von solchen biblischen Zusammenhängen angeregt hat sich die Fastenzeit zu einer Zeit des Betens, des Fastens und der Buße entwickelt.

Fastenkalender können dabei eine anregende Hilfe darstellen. Häufig werden in diesen Wochen Exerzitien im Alltag angeboten, die das geistliche Leben anregen und vertiefen.
Die Fastenzeit kennt besondere Andachten: den Kreuzweg, bei dem die einzelnen Stationen des Leidens und Sterbens Jesu betrachtet werden – traditionell sind es 14 Stationen, manchmal aber auch nur 7. Den Älteren ist die Miserere-Andacht noch ein Begriff.
Unser Bischof spricht in einem Hirtenbrief in die Gemeinden und Pfarreien hinein. Er bietet Anregungen, die ihm für unsere Diözese wichtig und zukunftsweisend erscheinen.
Die Schrifttexte der Fastensonntage bringen vor allem herausragende Gottes- und Christus-Erfahrungen zum Sprechen.
Die Gestaltung des Altarraums, aber auch der Liturgie selbst ist nüchterner. Es fehlt der Blumenschmuck. Wir singen kein Gloria und kein Halleluja. Oft haben die Lieder dieser Zeit einen getragenen und keinen jubelnd festlichen Charakter.
Früher verhüllte man mit einem Tuch, dem sog. Hungertuch den Altar. Dies wurde schließlich genutzt, um Ereignisse im Zusammenhang mit dem Tod Jesu hervorzuheben. Das Hilfswerk MISEREOR hat das seit 1976 aufgegriffen. Künstler aus aller Welt gestalten alle 2 Jahre ein neues Hungertuch. Aktuell ist es von einem deutschen Künstler aus Flensburg, es wurde 2019 veröffentlicht.
Bei all dem geht es um eine Vertiefung nach Innen. Sie wird noch einmal besonders konkret, wenn wir uns auf den Weg der Umkehr machen. Das beginnt im persönlichen Gebet, das kann die gemeinschaftliche Form der Bußandacht annehmen, aber auch zur persönlichen Beichte, zum Beichtgespräch führen. Auch im normalen Leben suchen wir das Gespräch unter vier Augen. Warum nicht auch hier im Rahmen des Bußsakraments mit einem Priester?

All das sucht und findet dann auch äußeren Ausdruck: klassisch wurden die Gläubigen zum Almosen-Geben, zum Teilen aufgefordert. Das hatte eine ganz andere Ausrichtung, als es noch keine Sozialgesetze gab und die Lebensräume sehr viel kleiner und übersichtlicher waren. Heute sind wir weltweit vernetzt. Und genau das kann man an unserer Fastenzeit ablesen. Am 5. Fastensonntag lenkt das bischöfliche Hilfswerk MISEREOR unseren Blick in alle Welt. Es zeigt problematische Zusammenhänge und Auswirklungen des allgemeinen Wohlstands auf. Es gibt Menschen, die auf der Schattenseite unserer Erde leben, eine Stimme, und ruft zum Umdenken und zu Spenden auf. Diese Aktion hat schon vieles in Bewegung gebracht. Für diesen Fastensonntag hat sich der Begriff „MISEREOR-Sonntag“ ergeben. Trotz dieser Aktion sollte das Teilen in die nächste Nähe hinein nicht verloren gehen.

Ihre „Krönung“ findet die Fastenzeit in der Karwoche, der Heiligen Woche von Palmsonntag bis Ostern. Da wird das zentrale Heilsgeschehen von Tod und Auferstehung Jesu verdichtet gefeiert und wahr-genommen. Der Palmsonntag lenkt im Hören der Passion nach Matthäus, Markus oder Lukas schon auf den Tod Jesu. Dann folgen Gründonnerstag, Karfreitag (mit der Johannes-Passion) und das Osterfest - ein einziger großer Gottesdienst, in dem wir Hingabe und Auferweckung Jesu feiern.

So betrachtet ist die Fastenzeit wirklich eine geistliche Aufgabe, ein Prozess, aus dem sich Impulse entwickeln können. Wir geben Gott Gelegenheit, uns selbst und durch uns die Welt im Kleinen und Großen zu verändern.

Michael Janson

PS: Vielleicht kommen die Genauen unter uns beim Zählen der Tage zwischen Aschermittwoch und Ostern über die Zahl 40 hinaus. Stimmt das Ganze überhaupt?
Die Sonntage sind vom Fasten ausgenommen, weil wir auch an diesen Fastensonntagen die Auferstehung des Herrn feiern. Es sind 6 mal 6 Tage, also 36, und die 4 Tage von Aschermittwoch bis zum Samstag danach.

Anzeige

Anzeige