Zur Landkarte Bistum

Informationen

Gemeinden

In dieser Übersicht finden Sie alle Gemeinden die zur Pfarrei Hl. Theresia Neustadt gehören.

St. Josef

mehr Infos


St. Johannes Königsbach

mehr Infos


St. Johannes Mussbach

mehr Infos


St. Marien

mehr Infos


St. Nikolaus Gimmeldingen

mehr Infos

Bildnachweis Kirchenfenster: Anke Sommer, Wörth

Der Rosenkranz – Gebetsleier oder Wunderwaffe?

Der Monat Oktober ist der „Rosenkranzmonat“. Kein anderes Gebet ist so „typisch katholisch“ wie der Rosenkranz und ist dennoch heute bei vielen Katholiken umstritten. Woher kommt diese Tradition und was bedeutet der Rosenkranz?

Eine Spurensuche und ein Impuls. Von Pastoralreferent Werner Busch.

Die Geschichte des Rosenkranzgebetes ist sehr alt. Eine frühe Form entstand bereits im 11. Jahrhundert unter Verwendung eines Zitats aus dem Lukas-Evangelium: Der Engel Gabriel begrüßt Maria bei der Verkündigung mit den Worten „Gegrüßet seist du“, lateinisch „Ave Maria“, griechisch „χαῖρε“, was besser übersetzt „Freue dich“ bedeutet (Lk 1,28). In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich daraus ein sog. „Marienpsalter“ mit 150 Anrufungen als Parallele zu den 150 Psalmen, die im Stundengebet der Klöster gebetet wurden und werden. Eine Legende des 15. Jh. schreibt die heute bekannte Form des Rosenkranzes dem Hl. Dominikus zu, der im 13. Jh. lebte. Erst im 16. Jahrhundert wurde von Papst Pius V. Text und Form des Gebetes für die Kirche verbindlich festgelegt.

Ein Ereignis der europäischen (Kirchen-)Geschichte ist für die Verbreitung des Rosenkranzes in besonderer Weise von Bedeutung: die Seeschlacht von Lepanto am 7. Oktober 1571. Es ging um die (wirtschaftliche) Vormachtstellung im Mittelmeerraum. Das Osmanische Reich machte der damals größten Seemacht, der Republik Venedig, ihre Handelsräume streitig. „Der Westen“, also das christliche Abendland, sah zugleich seine Werte, die religiöse Unverletzlichkeit und Selbstbestimmung bedroht und bildete zur Abwehr eine „Heilige Liga“. Die damals als unbesiegbar geltende osmanische Flotte konnte besiegt werden. Dieser Sieg wurde dem Eingreifen der Gottesmutter zugeschrieben, die man mit dem Rosenkranzgebet um Hilfe gebeten hatte.

Wenn Sie geschichtlich interessiert sind, dann lohnt es sich meiner Meinung nach, die Geschichte einmal genauer nachzulesen: https://de.wikipedia.org/wiki/Seeschlacht_von_Lepanto

Die geistige Wirkungsgeschichte der Schlacht von Lepanto war gewaltig. Sie reiht sich ein in eine Vielzahl von Gedenktagen, die die Auseinandersetzung mit dem osmanischen Reich durch viele Jahrhunderte hindurch widerspiegeln. Viele Päpste griffen daher immer wieder dieses Ereignis auf, um dem geistlichen Leben der Kirche und der Marienfrömmigkeit neue Impulse zu verleihen. So auch Papst Leo XIII. (1878-1903), der ein glühender Marienverehrer war. Er verlieh dem Oktober den Titel „Rosenkranzmonat“ und ordnete an, dass in allen Pfarrkirchen im Oktober täglich der Rosenkranz zu beten sei.

Damit traf Papst Leo sicherlich auch den Nerv der damaligen Zeit, wo sich beispielsweise in Deutschland viele kirchliche Gruppen als „marianisch“ formierten. Überdies konnten einfache Gläubige die lateinischen Messtexte nicht verstehen. So bildete sich mit dem Rosenkranz eine eigene, einfache aber durchaus tiefgehende Spiritualität aus, um die Glaubensgeheimnisse zu verstehen. Die weltweit bekannten Marienerscheinungen von Lourdes (1858) und Fatima (1917) taten ihr übriges, um den Gebrauch des Rosenkranzes in jener Zeit weiter zu verbreiten.

Nach dem 2. Weltkrieg begannen sich in Westeuropa die traditionellen Lebensformen zu verändern.  Mit der „Auflösung“ der Familie war auch die primäre Gebetsgruppe des Rosenkranzes aufgelöst. Die umfassende Liberalisierung der Gesellschaft zog die Krise der sog. „Volkskirche“ und ihrer Traditionen nach sich. Zudem setzte mit einer kritischen Theologie auch eine zunehmend kritische Distanz zur Mystik ein: alles was nicht naturwissenschaftlich erklärbar schien, konnte getrost aufgegeben werden. Aus der „Jungfrau Maria“ wurde somit häufig die „junge Frau Maria“. Im Diskus mit den Evangelischen Kirchen erschien Mariologie und mithin die Marienfrömmigkeit als störend und somit verzichtbar.

Fehlt erst der Zugang zum Rosenkranz als ein selbstverständliches und selbst erfahrenes Kindheitserlebnis, ist die Annäherung an diese Gebetsform schwierig. Viele Menschen erleben die ständige Wiederholung (50 Ave Maria und mehr) als „Gebetsleier“: Was soll diese ständige Wiederholung? Es ist doch gar nicht möglich, fünfzigmal mit unverändertem innerem Verstand und derselben hohen, bewussten Geisteskraft ein und dasselbe Gebet so oft hintereinander aufzusagen!

Aber das ist auch nicht die Absicht des Rosenkranzes. Der Rosenkranz ist wie ein Netz unter dem Hochseil des Artisten. Er bietet die Sicherheit und Basis für den Geist, der sich in dieses Netz einlullen lassen kann. Es ist die Bereitstellung eines geistlichen Raumes, der den Alltag und die Sorgen der Welt außen vorhält. Dann vermag der Geist aus diesem geschützten Raum heraus auf dem Hochseil die aufregendsten Tanzfiguren der Gotteserkenntnis vollführen: ein Bild, ein Blitz, eine Gewissheit, eine Erkenntnis, ein Gefühl, ein Impuls – was immer da auch kommen mag, es ist eine Verbindung zum Himmel.

Fazit: Beim Rosenkranz gilt ähnliches, wie für viele Dinge, man muss es einfach ausprobieren. Vielleicht sagt es Ihnen zu, vielleicht auch nicht. Hilfreich ist es dabei sicher, es nicht allein, sondern in einer Gruppe zu probieren. Und man sollte nicht schon nach dem ersten Mal die Flinte ins Korn werfen. So gesehen, ist der Rosenkranz mit vielen Dingen vergleichbar, die man einüben muss. Eine praktische Anleitung finden Sie hier: https://www.katholisch.de/artikel/41-das-rosenkranzgebet

Wenn Sie nicht ganz „textsicher“ sind, ist das übrigens auch kein Problem: Ich empfehle, ab und zu auch mal ein eigenes Gesätz zu erfinden, mit dem Sie dann Ihre ganz persönlichen Anliegen vor Gott bringen können. Wenn Sie mögen, darf ich Ihnen meinen „Rosenkranz der Heilung“ empfehlen. Er beleuchtet das Thema körperlicher, geistiger und seelischer Gesundheit in Verbindung mit dem Heilswirken Jesu. Das Büchlein erhalten Sie bei mir oder im Pfarrbüro oder unter http://www.rosenkranz-der-heilung.de

 

 

Anzeige

Anzeige