Unsere Pfarrei als Raum

Mit der Pfarreigründung 2015, schwang auch der Auftrag zur Erstellung eines pastoralen Konzeptes mit. Die neue Pfarrei musste sich finden und kennenlernen. Pastorale Räume wurden entdeckt und neu gestaltet. 

Eine kleine Gruppe, machte sich mit dem Fahrrad auf den Weg um die Pfarrei zu erkunden. Das waren erste kleine Schritte, die bis heute noch nachwirken, bei denen die dabei waren. 3 Wahlperioden liegen zwischen dem Beginn und des fertigen Konzepts. Eine lange Zeit und viel Arbeit. Ideen wurden entwickelt und verworfen um Platz für etwas anderes zu machen, dass zur Pfarrei Heilige Theresia von Avila und den Menschen vor Ort noch besser passt.

Im Dezember 2025 wurde das pastorale Konzept verabschiedet und nach Speyer übermittelt.Im Frühjahr 2026 kamen dann Vertreter und Vertreterinnen des Bistums um mit dem Pfarreirat in einen Austausch zu kommen. Es gab viel positives Feeback zu dem was vor Ort erarbeitet wurde.

.Anfang Juni 2026 können wir das aktuelle pastorale Konzept den Pfarreimitgliedern zugänglich machen. 

Das pastorale Leitbild der Pfarrei Heilige Theresia von Ávila

Das Neue Testament zeichnet verschiedene Leitbilder zu Kirche, Pfarrei und Gemeinde. Jesus sieht sie in der Bergpredigt als Salz der Erde, als Licht der Welt (Mt 5,13-16). Paulus sagt zur Gemeinde in Korinth: Ihr seid Gottes Tempel, in euch wohnt der Geist Gottes. (1 Kor 3,16). Und an anderer Stelle spricht er vom Leib Christi und seinen verschiedenen Gliedern (1 Kor 12 und Röm 12,3-8).

Wir haben "Unsere Pfarrei als Raum" für uns entdeckt.

Dieses Bild klingt in dem an, was ich mit meinem Lebensraum verbinde: der Welt um mich herum, und dem, was sich in meinem Inneren tut. Da sind meine Erfahrungen unsere meine Sehnsüchte, Erfolge und Verletzungen, Erfahrungen des Gelingens und solche der Vergeblichkeit, Erfahrungen mit mir selbst und mit anderen, dann auch solche mit Gott und der Gemeinschaft der Glaubenden.

Unsere Pfarrei als Raum – da haben wir die sichtbaren Räume vor Augen, unsere Kirchen und unsere Pfarrheime: die Kirche als Gotteshaus mitten unter unseren Häusern. Insbesondere die Kirchen verweisen auf Gott, sie sprechen von ihm. Bilder und Figuren erzählen vom Glauben und von der Geschichte des Glaubens.

Kirchenräume sind für uns vor allem deshalb von zentraler Bedeutung, weil wir sie immer wieder füllen mit konkreter Gemeinschaft, mit der Feier unseres Glaubens: mit persönlichem und gemeinsamem Beten, Musik und Gesang, der Feier der Liturgie, sowie der Sakramente überhaupt, mit Familien- und Kinderkirche. Menschen finden zur Ruhe, zu sich, zu Gott....

Da geschieht Begegnung. Ein Raum öffnet sich einem anderen. Erfahrungen kommen zusammen, Prägungen werden deutlich. Welten berühren und ergänzen sich. Manches bleibt verschlossen, aber das muss nicht so bleiben.

Räume öffnen sich auch schon dort, wo ein Gottesdienst vorbereitet wird. Das geschieht, wenn junge Menschen sich auf den Empfang der Erstkommunion oder der Firmung vorbereiten, wo sie einen katechetischen Weg gehen. Das geschieht auch in unseren Gremien, in Ausschüssen und Kreisen. Räume öffnen sich in unseren Kitas, in den Angeboten unseres Caritaszentrums, in der ambulanten Krankenpflege der ökumenischen Sozialstation, in den Seniorenheimen und der Hospizarbeit, wo Menschen für Menschen da sind, wo sie sich begegnen. So gesehen ist unsere Pfarrei ein großer, offener, vielfältiger Raum für Mensch und Gott, jeweils personal gefüllt.

Unser Pfarrei-Logo deutet das

Ich begegne einem anderen. In ihm begegne ich Christus. Ich stehe vor Gott. 

Es ist uns ein Anliegen, dass solche Räume entstehen und sich verändern dürfen.

Der Heiligen Theresia von Ávila (1515 – 1582) waren solch personale Begegnungen wichtig. Deshalb soll eine Klostergemeinschaften nicht zu groß sein. Auch die Gemeinschaft mit Gott ist für sie eine personale Begegnung. Zu glauben ist für sie mehr als das Wissen um gelernte Glaubenssätze, Beten geht über das Sprechen vorgegebener Texte hinaus. Glaube und Beten führt Gott und Mensch in einen Beziehungsraum, beide drücken sich aus.

Und dann ist da eine Weintraube in unserem Logo. Sie erinnert an die Weinstraße, an der unsere Pfarrei liegt, sie regt dazu an, mit Christus verbunden zu bleiben. „Ich bin der Weinstock – ihr seid die Reben“ sagt er, „getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.“ (Joh 15,5)

Theresia als Pfarreipatronin

Darin klingt ein Bild an, das Theresia in ihrer Schrift „Die innere Burg“ beschreibt. Gott begegnet der Seele, dem Menschen, er geht auf ihn ein. Der HERR führt die Seele in die Tiefe des Weinkellers. Wie dort der Wein reift, so darf der Mensch vor Gott reifen. Er erkennt sich selbst, seine Begabungen und Charismen, seine Berufung. Das Weinfass im Eingangsbereich der Marienkirche will daran erinnern, dass Gott den Menschen zu einem vertieften Leben führt, zu einem vertrauenden Glauben. Im Raum unserer Pfarrei ereignet sich – von Gott geleitet - der geistliche Weg des Einzelnen.

Eine solche kirchliche Gemeinschaft geht auf andere zu. Sie wächst über sich hinaus, verbindet und vernetzt sich. Es geht um den Menschen und das Wohl aller. Als Pfarrei suchen wir dieses übergreifend Miteinander, weil wir an den Gott glauben, der alles erschaffen hat und alles in seinen Händen hält. Deshalb sind wir mit anderen für andere da. Wir verbinden uns, um gemeinsam die Schöpfung und das Klima zu schützen, um uns für Gerechtigkeit und Frieden in unserer Welt, um uns für die Eine Welt zu engagieren.

Was können wir tun, um in einem doppelten Sinn „ansprechend“ zu sein, um gut im Sinne des Evangeliums zu handeln und andere damit zu erreichen? Unser Tun setzt draußen an, es beginnt außerhalb unserer Kirchenräume. Um mit St. Marien zu sprechen: es beginnt in der offenen Begegnung in der Stadt und im Kirchgarten. Da öffnen sich Räume. Da soll das Jesus-Wort erfahrbar werden:

„Ich bin die Tür!“ (Joh 10,7)

Jede und jeder einzelne ist die Tür. Wir sind es zu anderen Menschen, zu Gott, zu Jesus Christus, zur Kirche hin. Das haben wir im Leben empfangen. Das versuchen wir selbst zu leben und zu geben. Wir sind offen und öffnen Räume.

In seiner Autobiographie schreibt Papst Franziskus: „Es braucht nicht nur eine Kirche, die die Türen offen hält und empfängt, sondern auch eine, die neue Wege sucht und findet, die fähig ist, aus sich selbst herauszutreten." (Papst Franziskus, Hoffe. Die Autobiografie, München 2025, S. 226).

Aufzubrechen, Vertrautes zurückzulassen und Neues zu wagen ist nicht leicht. Eine Gemeinschaft aber vermittelt Halt. Da lassen sich gemeinsam nächste Schritte finden und gehen.

Das ermutigt auf jene zuzugehen, denen der Zugang zu Kirche und Glaube verschlossen scheint, für die das Vertraut-Sein mit Christus und Gott nicht 

mehr selbstverständlich ist.

Dann können wir in den Brüchen der Gegenwart Räume gestalten und offenhalten, in denen der Geist Gottes erfahrbar ist.